Das Coranavirus in der Naturheilkunde

Die Angst vor einer Ansteckung mit dem neuen Coronavirus (COVID-19, SARS-CoV-2, 2019-nCoV, MERS-CoV) geht um. Medizinische Empfehlungen zur Vorbeugung und zum Schutz gibt es reichlich. Doch was ist mit Corona in der Naturheilpraxis? Gibt es komplementäre Strategien zur Vorsorge?

Wichtig vorab: Es ist Heilpraktikern verboten, Erkrankungen mit COVID-19 zu behandeln. Das Verbot gilt auch, wenn Menschen einer Infektion verdächtigt werden. Infizierte Menschen sind bei Fachärzten auf jeden Fall besser aufgehoben. Glauben Sie, infiziert zu sein, wenden Sie sich bitte an das Infotelefon der Senatsverwaltung für Gesundheit.

Ich möchte an dieser Stelle einige Gedankenspiele teilen, wie die komplementäre Medizin evtl. den Verlauf einer Infektion durch vorsorgende Maßnahmen beeinflussen kann.

Die wichtigste vorbeugende Maßnahme ist und bleibt: Hygiene. Ein einfacher Mundschutz kann die Ausbreitung verhindern, jedoch nicht zuverlässig vor einer Ansteckung schützen. Die Augen müssten eigentlich ebenfalls vor Tröpfcheninfektionen geschützt werden. Auch die Haut ist ein Erregerreservoir. Deshalb ist Händewaschen und -desinfektion nach Außenkontakt wichtig. Smartphones gelten evtl. als keimbelastet. Daher sollten diese Geräte außerhalb der Wohnung besser in der Tasche bleiben. Durch Berühren von Oberflächen und der Schleimhäute (Mund, Nase) gelangen Viren ins Innere (Schmierinfektion).

Was macht den Coranavirus so gefährlich?

Eine Infektion mit dem neuen Coranavirus muss nicht zwangsläufig zu schweren Krankheitsverläufen führen. Viele Menschen können sich anstecken und nur leichte Symptome zeigen. Dennoch können Infizierte mit leichten Symptomen sehr ansteckend sein. Auch die Beständigkeit des Virus in der Luft und auf Oberflächen machen den Coranavirus gefährlicher als einen Grippevirus. Leitsymptome einer Coronavirusinfektion sind (trockener) Husten und Fieber. Bei Kindern kann schon Durchfall ein Hinweis auf eine Infektion sein.

Bis jetzt kann davon ausgegangen werden, dass insbesondere ältere bzw. immungeschwächte Menschen einen schwereren Verlauf der Infektion zeigen. Doch was bedeutet immungeschwächt? Gibt es unterschiedliche Ausprägungen?

Das Coranavirus greift über die Schleimhäute an (Nase, Mund, Rachen, Auge). Das Immunsystem versucht das Virus zu bekämpfen. Funktioniert das Immunsystem nicht optimal, kann es zu schweren Verläufen der Infektion kommen. Für gesunde Kinder ist das Coranavirus oft vergleichbar mit einer Erkältung, obwohl es auch schwere Krankheitsverläufe unter Kindern gibt. Ältere Menschen, deren Immunsystem evtl. schon viele andere Baustellen hat, reagieren heftiger. So z. B. bei Gelenkerkankungen, Atemwegserkrankungen, wiederkehrende Blasenenzündungen oder Nasennebenhölenentzündungen. Viele kleine, unbemerkte Entzündungen im Körper belasten das Immunsystem. Das führt im Fall einer neuen Infektion dazu, dass das Immunsystem überreagieren kann.

Wer ist besonders gefährdet?

Zu einer besonders gefährdeten Personengruppe zählen auch Menschen, mit geschädigten Atemwegen. Insbesondere Raucher sind betroffen. Die Schleimhäute können oft nicht mehr adäquat auf eine Infektion reagieren. Auch hier sind schwere Verläufe wahrscheinlich.

Immunsupprimierte Menschen, deren Immunsystem durch Medikamente absichtlich geschwächt wird, zählen ebenfalls zur Risikogruppe. Z. B. bekommen Patienten nach Organtransplantation oder bei rheumatischen Erkrankungen immunschwächende Medikamente. Ein Medikament spielt dabei eine besondere Rolle: Cortison. (Cortison ist eine Vorstufe des Hormons Cortisol und in den Medikamenten enthalten).

Cortisol ist ein körpereigener Botenstoff, der unter anderem Entzündungen im Körper reguliert. Das Hormon Cortisol dient eigentlich dazu, Menschen in Gefahrensituationen leistungsbereit zu machen und Stoffwechselvorgänge zu aktivieren. Im Augenblick der Gefahr sind andere Körperfunktionen weniger wichtig, dazu gehört auch die Abwehr von Infektionen. Diesen Effekt macht sich die Medizin zu nutzte, um überschießende Immunreaktionen zu unterdrücken (z. B. auch bei Allergien).

Kann Cortison den Verlauf einer Coronavirusinfektion beeinflussen?

Mediziner gehen davon aus, dass Menschen unter Cortisontherapie gefährdeter sind als Gesunde. Dennoch empfehlen Lungenärzte Asthma-Patienten, die bisher nur im Bedarfsfall inhalierbares Corison einnehmen, nun regelmäßig die Inhalation – auch bei Symptomfreiheit. Damit sollen Schleimhäute abschwellen und Entzündungen in den Atemwegen vermindert werden.

Evtl. wird sich zeigen, dass ältere oder immunsuprimierte Menschen durch eine leichte Cortisontherapie den Krankheitsverlauf günstig beeinflussen können, da das Immunsystem bei einer Infektion nicht mehr so stark überreagiert. Hier werden zukünftige Studien mehr Klarheit bringen.

Was können Sie tun, um Ihr Immunsystem zu stärken?

In der Naturheilkunde gibt es durchaus einige Ansatzpunkte, den Körper auf eine Infektion vorzubereiten und evlt. einen bevorstehenden Krankheitsverlauf zu beeinflussen.

In der Naturheilkunde gibt es durchaus einige Ansatzpunkte, den Körper auf eine Infektion vorzubereiten und evlt. einen bevorstehenden Krankheitsverlauf zu beeinflussen.

  1. Entzündungsherde im Körper reduzieren

    Unterstützen kann Sie die traditionelle chinesische Medizin – speziell die Kräuterlehre und Akupunktur – um auf Entzündungsprozesse Einfluss zu nehmen. Je nach Ursache kann z. B. eine Schuppenflechte, eine Arthrose oder eine chronische Bronchitis behandelt werden(*).

  2. Akupunktur oder Schröpfen

    Mittels Akupunktur oder Schröpfen kann die Cortisolproduktion im Körper reguliert(*) werden. Auch spezielle osteopathische Techniken können die Hormonproduktion beeinflussen(*).

  3. Hören Sie auf zu rauchen

    Unterstützen kann Sie eine Nikotinentwöhnung mit Akupunktur und Hypnosetherapie.

  4. Traditionelle europäische Medizin

    Auch die traditionelle europäische Medizin bietet viele Möglichkeiten das Wohlbefinden zu verbessern und das Immunsystem zu stärken. Von Hildegard von Bingen bis Sebastian Kneipp. Die traditionelle abendländische Medizin bietet einen riesigen Erfahrungsschatz für Gesundheit und Wohlbefinden.

  5. Stress reduzieren

    Dauerhafter Stress hat negativen Einfluss auf das Immunsystem. Auch eine permanente Angst vor einer Infektion ist Stress für den Körper. Zukunftsängste und der permanente Konsum von „schlimmen Nachrichten“ tun ihr übriges, um den Körper im Daueralarm zu versetzten. Im meiner Praxis habe ich gute Erfahrungen mit der Behandlung von Stress mit Akupunktur und Hypnose gemacht.

  6. Ernährung optimieren

    Eine Ernährungsberatung kann Ernährungsgewohnheiten optimieren. Z. B. sollten Nahrungsmittel, die entzündliche Prozesse fördern von der Speisekarte entfernt und entzündungshemmende Nahrungsmittel gefördert werden. Auch der Säure-Basen-Haushalt kann positiv durch die Ernährung beeinflusst werden.

  7. Sport

    Gezielter Sport im Sinne einer Prehabilitation ist hilfreich, um das Herz-Kreislaufsystem in Schwung zu bringen, die Atemwege zu belüften, die Zirkulation von Blut und Lymphe zu verbessern sowie Muskeln und das Fasziensystem zu stärken. Extremer Leistungssport und besonders herausfordernde Workouts sollten dagegen vermieden werden.

  8. gesunder Schlaf

    Ein gesunder Schlaf darf nicht fehlen. Die gewonnene Zeit durch Schließungen von Arbeitsstätten und Ausfälle von Veranstaltungen kann in gesundem Schlaf investiert werden. Die Naturheilkunde kann helfen, eine gesunde Schlafhygiene zu entwickeln.

Was gibt es noch zu tun?

Auch nach überstandener Erkrankung kann die Naturheilkunde viel zur Regeneration beitragen. Das Wichtigste nach einer schweren Infektion ist gezielte Mobilisation durch Rehabilitationssport. Ein individuell angepasstes Training ist besonders effektiv. Auch eine schonende und energiereiche Aufbaudiät kann helfen, schnell wieder auf die Beine zu kommen.

Gerne können Sie Ihre Frage oder Meinung in den Kommentaren hinterlassen. Sprechen Sie mich an, wenn Sie spezielle Fragen über komplementäre, vorbeugende Maßnahmen haben.

(*) Hinweis

Die dargestellten Therapieverfahren gehört zu den naturheilkundlichen Verfahren, die schulmedizinisch nicht oder nur teilweise anerkannt sind. Sie gehören zu den therapeutischen Methoden der Alternativmedizin und können andere Therapieverfahren ergänzen.

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